4. Ausflug mit dem Reformations-App R-City Guidenach St. Gallen - Mittwoch, 21. Juni 2017

Es ist bequem zu reisen… von Bern gibt es ja einen direkten Zug nach

St. Gallen. So konnten wir ganz entspannt die Fahrt geniessen, anfänglich bei Kaffee und Gipfeli, dann aber mit dem Austausch über den Fachartikel zu den lokalen Ereignissen während

der Reformationsjahre. Es ist spannend, dass die Vorgänge an all den verschiedenen Orten - Basel – Zürich – Chur/Illanz - und besonders auch in St. Gallen eine ganz unterschiedliche Prägung hatten.

Zwei der grossen Schlüsselfiguren in der Klosterstadt waren Joachim von Watt – latinisiert Joachim Vadianus – und Johannes Kessler. Joachim Vadian (geb. 29.11.1484 – gest. 6.4.1551) stammte aus einer altein-gesessenen sanktgallischen vermögenden Kaufmannsfamilie. Vadian kam 17jährig an die Universität in Wien und in Kontakt mit humanistischen Gelehrten. Er legte eine steile akkademische Karriere hin und wurde mit grossen Ehren „bekränzt“. Er  durchlief die artistische Faktultät, erhielt den Ruf eines bedeutenden humanistischen Gelehrten, wurde besoldeter Professor, studierte dazu noch Medizin, wurde Rektor der Wiener Hoch-schule und erhielt den höchsten humanistischen Titel „Poeta laureatus“ vom Kaiser Maximilian I. Doch Vadian kehrt – eher abrupt – nach St. Gallen zurück, wo er von der Stadt „empfangen“ und „behalten“ wurde.

Um Vadian bildete sich ein Kreis gelehrter und die Zeitereignisse auf-merksam verfolgender Männer. Zu ihnen gehörten Benedikt Burgauer, Wolfgang Wetter als Leutpriester und Helfer zu St. Laurenzen, der Propst zu St. Mangen – Hermann Miles  und der junge Schulmeister Dominikus Zili. Geistiges Haupt war Vadian. Von diesem Kern aus ging die reforma-torische Bewegung, sozusagen von unten her. Dieser Kreis holte sich Johannes Kessler „ins Boot“, er hatte Theologie studiert (jedoch nicht abgeschlossen) und verdiente seinen Lebensunterhalt als Sattler. Aber als reformatorischer Bibelausleger verstand er es die Menschen „abzuholen“ und für die Sache in Bewegung zu bringen. Seine Auslegungen der Schriften, die sog. „Lesinen“ fanden immer mehr Zulauf, zuerst fanden sie im Privathaus vom Probst Hermann Miles statt, später im grossen Saal der Weberzunft. Prompt reagierte der Klosterabt und klagte, dass ungeweihte Personen  ausserhalb der Kirche lehrtätig seien. Die starke Position des Klosters blieb in den darauffolgenden Ereignissen ein Faktor. Doch erstarkte der St. Gallische Rat, das Vadian Bürgermeister war. 1524 wurde erstmals in der Kirche St. Laurenzen das Abendmahl in refor-mierter Art gefeiert. Mit dem Sieg der Zürcher im 1. Kappelerkrieg fühlte man sich im Aufwind. Das Kloster wurde mit einem Kaufvertrag von der Stadt erworben und aufgelöst, Besitztümer entfernt und veräussert. Doch mit der Niederlage der Reformierten und dem Tod von Zwingli im 2. Kap-pelerkrieg kam die Stärke der Katholischen Seite wieder zum Zug. Das Kaufvertrag des Klosters wurde angefochten und für nichtig erklärt, die Güter und Besitztümer mit Schadenersatz zurückgefordert. Die Schied-mauer teilte den Klosterbezirk von der nun reformierten Stadt eindeutig ab. Reste davon sind heute noch sichtbar.

 

Die Sommerhitze hielt uns nicht ab, die verschiedenen Stationen in der Stadt zu besuchen, uns in die Zeit und Geschehnisse von damals zurückzuversetzen. Wir hörten, schauten, staunten. Die Kirche St. Mangen (mit der Geschichte der heiligen Inklusin Wiborada), das ehemalige Klo-ster St. Katharinen, das Vadian-Denkmal (1905), das Geburtshaus von Vadian (Haus zum goldenen Apfel) und unweit davon sein Wohnhaus (Haus zum tiefen Keller), die wundervolle Kirche St. Laurenzen mit herr-lichen geometrischne Wandmalereien, das Stadthaus, die Schiedmauer, das Schlössli, das Karlstor (wo der Abt ohne reformierten Boden der Stadt betreten zu müssen in den Klosterbezirk gelangte), und schliesslich die Klosterkirche.

 

In St. Laurenzen konnten wir eine wunderbare Mittags-Musik geniessen „Zirkus der Flöten“ und die Zeit reichte auch noch für einen Besuch in der berühmten Stiftsbiliothek des Klosters. Ein reichlich gefüllter Tag, und doch Zeit für viel Austausch, für ein erfrischendes Mittagessen, und da und dort für ein Schnuppern in den schönen Altstadt-Läden mit ganz besonderen Auslagen.

 

Nun …. am 19. Juli geht es wieder auf die Reise: Nach Wildhaus, Abfahrt 7.45 Uhr ab Neuenegg, Rückkehr 20.36 Uhr. Kommen Sie doch mit. Es lohnt sich immer!

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